-
Wehrpflicht und Gleichberechtigung
Wenn man über Wehrgerechtigkeit spricht, stellt sich auch die Frage, ob es gerecht ist, dass nur Männer von der Wehrpflicht betroffen sind.
Die Begründung, warum Frauen von der Wehrpflicht nicht betroffen seien sollen, hat sich dabei im Laufe der Zeit gewandelt. Während man früher darauf abzielte, dass Frauen grundsätzlich nicht für das Militär geeignet seien, ist dieses Argument spätestens mit der (durch den europäischen Gerichtshof erzwungenen) Zulassung von Frauen zur Bundeswehr hinfällig.
Dafür wird heute argumentiert, dass Frauen grundsätzlich in der Gesellschaft benachteiligt seien und deshalb von der Wehrpflicht befreit werden müssten. Als Beispiele werden die zu über 90% von Frauen übernommene Kinderbetreuung und die durchschnittlich schlechtere Entlohnung genannt.
Gegen diese Thesen spricht, dass z.B. ca. 30% der Frauen kinderlos bleiben. Diese sind dann natürlich in Bezug auf Kinderbetreuung auch nicht benachteiligt. Auch die schlechtere Entlohnung von Frauen hat vielfältige Ursachen und kann nicht als Begründung für eine generelle Benachteiligung benutzt werden.
Dazu ein Zitat von Bundesfamilienminsterin Schmidt:Renate Schmidt: Frauen verdienen ja nicht weniger: bei gleicher Tätigkeit, gleicher Qualifikation und gleicher Berufserfahrung wird es sehr schwer nachzuweisen sein, dass es tatsächlich in nennenswertem Umfang (von Einzelfällen abgesehen) eine ungleiche Bezahlung gibt. Quelle: Tagesspiegel
Viele junge Männer stehen heute vor genau denselben Herausforderungen und Problemen wie die jungen Frauen, teilweise sogar größeren, weil sie im Durchschnitt eine schlechtere Schulbildung haben. Es ist außerdem sehr ungerecht, einem jungen Mann heute schon vorzuwerfen, dass er sich später vielleicht nicht an der Erziehung seiner Kinder beteiligt, wobei für die meisten 18-20 jährigen ja noch nicht einmal feststeht, ob sie überhaupt Kinder haben werden.
Allerdings kann man die vorhandene Benachteiligung von Frauen nicht einfach vernachlässigen. Zum anderen ergäbe sich bei der Einbeziehung von Frauen in die Wehrpflicht das Problem, dass diese gar nicht benötigt werden, da heute schon die Mehrheit der jungen Männer keinen Wehrdienst leistet
Der einzige Ausweg, der aus diesem scheinbaren Dilemma führt, ist also die Abschaffung der Wehrpflicht, da dann das Problem schlicht nicht mehr auftritt.