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    Im Grundgesetz heißt es in Artikel 3 Absatz 1:

    (1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.

    Trotz dieser eindeutigen Aussage ist der Verteidigungsminister der Meinung, fehlende Wehrgerechtigkeit würde nicht gegen das Grundgesetz verstoßen.

    Da ich kein Jurist bin, beschränke ich mich folgenden auf allgemeine Begründungen, warum die Wehrgerechtigkeit unverzichtbar ist. Eine der Auffassung von Struck widersprechende Stellungnahme eines Staatsrechtlers findet sich im Abschlussbericht der Weizsäcker-Kommission, Seite 150.

    Nicht zufällig findet sich der Einstiegsseite dieser Website ein Verweis auf die französische Revolution. Diese entsprang der Aufklärung, einer philosophischen Bewegung, die mit der Vorstellung von natürlichen oder gar gottgegebenen Unterschieden in Bezug auf den Wert eines Menschen aufräumte. Vielmehr sollen sich diese Unterschiede aus den Leistungen der Menschen in ihrem Leben ergeben.

    Wenn man im Verteidigungsministerium der Meinung ist, Wehrgerechtigkeit sei nicht notwendig, verabschiedet man sich, so überzogen das auch klingen mag, von der Weltanschauung der Aufklärung. Zwar dienen als Unterscheidungskriterium jetzt nicht mehr Stand der Eltern, sondern der pure Zufall, aber das kommt für den Betroffenen auf das selbe raus. Eine solche Entwicklung ist schlicht nicht akzeptabel.

    Die mit der Forderung nach Wehrgerechtigkeit verbundene Erwartung an den Staat ist, verglichen mit dem, was auf anderen Gebieten vom Staat erwartet wird, sehr gering. So ist zum Beispiel der Sozialstaat dazu da, dass der Staat notleidenden Menschen hilft, obwohl er möglicherweise gar nichts mit deren Notlage zu tun hat. Im Gegensatz fordert die Wehrgerechtigkeit lediglich, dass der Staat nicht zusätzliche, künstliche Benachteiligungen schafft.

    Natürlich kann man jetzt sagen, was interessiert mich Wehrgerechtigkeit, ich bin davon schließlich nicht oder nicht mehr betroffen. Wenn der Staat sich aber bei der Wehrpflicht nicht mehr an das Gebot der Gerechtigkeit gebunden fühlt, dann ist es meiner Meinung nach gut möglich, dass er auch auf anderen Gebieten nicht mehr im Sinne der Gleichberechtigung, sondern nach anderen, willkürlichen Kriterien entscheidet.